Mausohren sind die typischen Kirchenfledermäuse: In Gruppen hängen sie am Tag kopfüber am Gebälk grosser und ruhiger Dachstöcke und bringen hier ihre Jungen zur Welt. Die grösste Schweizer Kolonie – mehr als 1'500 Mütter mit ihren Jungen – versteckt sich am Tag im Turmhelm der Kirche von Fläsch GR. Passanten können nun auf Knopfdruck die Jungenaufzucht miterleben: Die Gemeinde Fläsch nahm am 29.06.04 die «Fledermaus-Livekamera» in Betrieb.
Mausohren gelten als stark bedroht und sind darum bundesrechtlich geschützt. Leider existieren heute in der Schweiz von den einst zigtausenden Wochenstuben nur noch rund 100, und diese beherbergen meist weitaus weniger als 300 Tiere. Im vergangenen Jahrhundert wurden Mausohren aus Aberglauben ausgeräuchert und erschlagen und in den 40er bis 70er Jahren haben ihnen Umweltgifte die Nahrungsbasis geschmälert.
Das Blatt hat sich in den 80er Jahren mit Beginn der landesweiten Schutzbemühungen zu wenden begonnen. Heute sind aber rücksichtslose Renovationen der Koloniegebäude noch immer die Hauptbedrohung. Die «Stiftung zum Schutze unserer Fledermäuse in der Schweiz» glaubt daran, dass die Bevölkerung vornehmlich das, was sie kennt und darum schätzt, letztendlich auch schützt.
Das Motto «Fledermäuse brauchen Freunde » wurde darum in Fläsch publikumswirksam umgesetzt. Weil man die scheuen Mausohren während der Jungenaufzucht nicht besuchen darf, wurde eine Infrarotkamera im Wochenstubenestrich installiert. Die sensationellen Bilder können von Passanten auf Knopfdruck am Fusse des Kirchturmes auf einen Monitor übertragen werden. Ein Poster informiert zusätzlich über die Fläscher Mausohren.
Ganz besonders für Schulklassen und Touristen der Bündner Herrschaft dürfte diese einmalige Attraktion eine Reise nach Fläsch wert sein. Die beiden Quartierbetreuenden Lorenz Göddemeyer und Ladina Thomasin Kühne bieten geführte und ausgezeichnet dokumentierte Ausflugbeobachtungen an. Buchung unter Tel. 081 302 14 48 bzw. 081 302 36 63.
Die Stiftung Fledermausschutz hofft, dass von dieser Aktion Signalwirkung ausgeht und das Verständnis für den nachhaltigen Schutz der noch existierenden Schweizer Mausohrwochenstuben gefördert werden kann.
Achtung: Die Mausohren halten in der kalten Jahreszeit Winterschlaf in Höhlen, Stollen oder Kellern und können deshalb in dieser Zeit nicht im Kirchturm beobachtet werden.