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Geschichte der Gemeinde Fläsch

Auf dem Gebiet der Gemeinde Fläsch wurde seit urgeschichtlicher Zeit gesiedelt. Die St. Luzisteig war dazumal ein wichtiger Übergang auf dem Weg vom Bodenseegebiet in Richtung Süden. So fanden die Archäologen auf dem Matluschkopf eine bronzezeitliche Siedlung und auf der unteren Steigwiese bei der Luzisteig Urnengräber. In der Nähe der Kirche St. Luzisteig befand sich ein Kultplatz, wo bis in römische Zeit den Göttern geopfert wurde. Auf diesem Gebiet soll im Frühmittelalter der heilige Luzius die verehrten Kälber der Heiden gezähmt und die Menschen der Region zum christlichen Glauben bekehrt haben. Fläsch ist im karolingischen Reichsgutsurbar des 9. Jahrhunderts erstmals erwähnt. Die Pfarrkirche befand sich auf der Luzisteig, in Fläsch sind Weideland und Weinberge bezeugt. Im Mittelalter besassen das Kloster Pfäfers und verschiedene adelige Herren Güter und Rechte in Fläsch. 1438 erhielt die Gemeinde von den Freiherren von Brandis einen Freiheitsbrief, worin die Rechte und Pflichten gegenüber der Herrschaft Maienfeld festgehalten war. Die Kirche St. Nikolaus in Fläsch war nun wie die Kirche auf der Luzisteig Filiale der Kirche St. Amandus in Maienfeld. Pfarrer Bolt, der von Zwingli in Fläsch eingesetzt worden war, teilte schon 1524 oder 1525 das Abendmahl im reformierten Sinn aus. In Fläsch wurde der reformierte Glaube also früher als in Chur verkündet. Dies habe die altgläubigen Maienfelder so erzürnt, dass sie einen Protestzug nach Fläsch unternommen hätten. Der Pfarrer habe nur gerettet werden können, weil er von seinen Anhängern in einer Rübengrube versteckt worden sei. Nachdem Pfarrer Bolt sich den Täufern angeschlossen hatte, musste er Bünden schliesslich verlassen. Im 17. Jahrhundert wirkte in Fläsch und Maienfeld der Pfarrer Bartholomäus Anhorn (1566-1640), der als Verfasser von landesgeschichtlichen und theologischen Schriften bekannt wurde. Er stellte eine Chronik der Stadt Maienfeld zusammen, ein Urkundenbuch der Gemeinde Fläsch, aber auch die Magiologia, eine Schrift über Hexenzauber und Teufelswerk. Besonders zu leiden hatte Fläsch während der Bündner Kiregswirren unter seiner Lage an der Grenze des bündnerischen Territoriums. So berichtet Anhorn, dass das Dorf 1622 geplündert und in Brand gesteckt wurde. Ein weiterer Brand verwüstete 1822 grosse Teile des Dorfes. Berühmt wurde das Dorf im 18. Jahrhundert wegen seiner schönen Lage, wegen seines guten Weines und wegen des kleinen Bades Fläsch. Dieses Bad war erst ein einfaches Bad für die lokale Bevölkerung. Es erlangte später einige Berühmtheit, als es in den Besitz der Familie von Salis aus Maienfeld kam. Das Bad Fläsch wurde nun in den grossen Natur-Beschreibungen der Alpen als heilsam gelobt, so 1752 von Johann Jacob Scheuchzer in seiner 'Natur-Geschichten des Schweizerlandes'. Auch in der Neuzeit blieb Fläsch ein rein landwirtschaftlich geprägtes Dorf. Bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts betrieben die Bauern auf kleinen, verstreuten Parzellen Rebbau, Viehzucht und Ackerbau. Nach markantem Bevölkerungsrückgang wurde 1966 die Gesamtmelioration beschlossen. In Zusammenhang mit dem Ausbau des Waffenplatzes auf der Luzisteig durch das Eidg. Militärdepartement wurden umfassende Güterzusammenlegungen vorgenommen. Der Grundstein für die aktuelle Entwicklung wurde gelegt: Die Melioration ermöglichte die Spezialisierung von Betrieben auf den Weinbau, das Überleben der landwirtschaftlichen Betriebe und die bauliche Entwicklung des Dorfkerns. Die Abwanderung konnte gestoppt werden. Nicht zuletzt trug die Brücke über den Rhein und der Anschluss an den Bahnhof Bad Ragaz und die Autobahn dazu bei, dass Fläsch auch verkehrsmässig attraktiv erschlossen wurde. Durch die Umfahrungsstrasse wurde der militärische und zivile Durchgangsverkehr um den Dorfkern herumgeleitet. Dieser ländliche Charakter hat sich bis heute erhalten: Fläsch ist immer noch ein ruhiger Wohnort inmitten von Weinbergen.